"Familien in den Berufsalltag integrieren"

Riccardo Prochnow, 31 Jahre, Auszubildender bei der GASAG

 

Interview

Herr Prochnow, Sie machen bei der GASAG eine duale Ausbildung zum Wirtschaftsinformatiker. Was wollen Sie einmal werden?

Ich möchte beruflich gerne etwas mit Projektleitung im IT-Bereich machen – und wenn es geht, auch mit Nachhaltigkeit.

Womit kann ein Unternehmen bei Ihnen punkten?

Ein Unternehmen kann bei mir punkten, wenn es authentisch ist – etwa, indem der Vorstand auch meint, was er sagt. Ich mag es, wenn die Persönlichkeit der Mitarbeitenden wertgeschätzt wird. Geld ist in der heutigen Zeit zwar ein wichtiges Gut, aber finanzielle Anreize vergisst man so schnell. Mir sind die sozialen Komponenten und spannende Aufgaben wichtiger als die finanzielle Belohnung.

Wenn Sie Vorstandsvorsitzender wären – was würden Sie in Ihrem Unternehmen sofort einführen?

Klimaschutz und Nachhaltigkeit hätten eine hohe Priorität – etwa, indem ich auch im privaten Sektor Anreize schaffe und meinen Mitarbeitenden Prämien zahle, wenn sie nicht mit dem Flugzeug fliegen. Mein Unternehmen würde nicht alles neu kaufen, sondern auch recycelte Sachen. Und wenn ich mehr Gewinne einfahre als ich fürs Unternehmen brauche, würde ich sie mit Menschen teilen, die es nötig haben. Das wäre schön.

Warum haben Sie sich beim Berliner Energieversorger GASAG für einen Ausbildungsplatz beworben?

Ich fand es schon immer spannend, in einem Unternehmen zu arbeiten, das das Stadtbild beeinflusst und auch einen positiven Beitrag für die Umwelt leistet. Dass die GASAG sich mit Nachhaltigkeit beschäftigt, war mit ein Grund, mich zu bewerben.

 

„Ich glaube, man muss Familien künftig mehr in den Berufsalltag integrieren – das kann einen Arbeitsplatz auch positiv beleben.“

 

Warum ist Ihnen persönlich Nachhaltigkeit wichtig?

Nachhaltigkeit hat viel damit zu tun, wie wir unsere Ressourcen verteilen und wie wir mit der Welt und auch mit uns umgehen. Wenn wir umsichtiger sind, dann können wir viele Menschen glücklich machen und vor allem: viele Menschen gleich glücklich machen. Dann gibt es vielleicht auch weniger Neid und weniger Hungertode. Mir ist wichtig, dass die Welt harmonisch ist und schön – das möchte ich gerne erhalten oder das Gleichgewicht wieder herstellen.

Wo taucht Nachhaltigkeit bereits in Ihrer Ausbildung auf?

Unsere Agenda ist tatsächlich, unser Unternehmen nachhaltiger zu gestalten, dafür werden wir auch sensibilisiert. Unser Arbeitsplatz befindet sich bereits auf einem nachhaltigen Campus, die Immobilien sind so gebaut, dass sie möglichst wenig CO₂ abgeben. Und bei allen zukünftigen Projekten soll Nachhaltigkeit als eine Komponente immer mitschwingen.

Wo fehlt das Thema noch in der Ausbildung?

In der Uni kommt das Thema auf jeden Fall zu kurz. In der Ausbildung würde ich mir wünschen, dass wir noch mehr praktisch anpacken, zum Beispiel an einem Cleaning-Day, bei dem einmal im Jahr alle Auszubildenden zusammen einen Berliner Stadtteil aufräumen.

Was ist in dem Unternehmen, in dem Sie 2030 arbeiten, ganz selbstverständlich?

Dass man sich vor dem Einsatz von Ressourcen überlegt, ob man sie wirklich braucht. Mehr recycelt. Ich glaube, man muss Familien künftig mehr in den Berufsalltag integrieren – das kann einen Arbeitsplatz auch positiv beleben. Was ich auch glaube: Dass Mitarbeitende nicht mehr so lange arbeiten müssen. Viele Unternehmen probieren bereits aus, ob ein Sechsstundenarbeitstag reicht, um die gleichen Ergebnisse wie mit einem Achtstundenarbeitstag zu erzielen. Ich glaube, dass kürzere Arbeitszeiten die Produktivität fördern, gerade, wenn man einen kreativen Beruf hat. Wenn man in der Freizeit viel erlebt und sich weiterbildet, dann hat man auch mehr Mittel, um seine beruflichen Herausforderungen zu lösen.

Interview: Katja Tamchina

Foto: Ulrich Wessollek

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