„Auszubildende sind die Zukunft des Unternehmens“

Dr. Matthias Sturm, Geschäftsbereichsleiter TEAG

 

500.000 Menschen werden von den rund 2.000 TEAG-Mitarbeiter:innen mit Energie versorgt – damit ist die TEAG der größte Energieanbieter in Thüringen. Das Unternehmen stellt jedes Jahr 30 Auszubildende neu ein. Derzeit sind 100 junge Menschen in der Ausbildung.

Interview

Herr Dr. Sturm, welche Bedeutung hat das Thema Nachhaltigkeit bei der TEAG?

Nachhaltigkeit hat einen sehr großen Stellenwert in der Gesellschaft und bei der TEAG, auch weil wir merken, dass unseren Kunden das Thema wichtig ist. 60 Prozent der Deutschen lassen sich bei ihrer Kaufentscheidung von Nachhaltigkeitsaspekten leiten, das heißt, auch klassische Produkte wie Strom oder Gas werden zunehmend auch im Zusammenhang mit Ressourcenschonung und erneuerbarer Energie nachgefragt.

Schulen Sie auch Ihre Auszubildenden in Sachen Nachhaltigkeit?

Die Bundesrepublik Deutschland hat ein Klimaziel, 2045 treibhausgasneutral zu sein. Ein:e Auszubildende:r, der oder die heute eine Lehre bei uns beginnt, hat 2045 noch 25 Jahre Arbeitszeit vor sich und wird eine Welt erleben, in der unser Energiesystem zu 100 Prozent treibhausgasneutral ist. Die Mitarbeiter:innen, die wir jetzt ausbilden, sind also die Zukunft des Unternehmens – und die müssen wir jetzt einfach auf diese Themen ansetzen. Das ist aber noch keine Selbstverständlichkeit, dass bereits in der Ausbildung Nachhaltigkeitsaspekte vermittelt werden.

 

„Die Mitarbeiter:innen, die wir jetzt ausbilden, sind die Zukunft des Unternehmens.“

 

Was versteht die TEAG alles unter Nachhaltigkeit – welche Themen gehören für Sie dazu?

Das ist auch eine Ermessensfrage – ich glaube, das ist für Unternehmen unserer Koloratur noch nicht standardisiert. Die Europäische Union plant ja eine Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, die gerade im Entwurf beim EU-Parlament ist. Derzeit kann sich jeder selbst überlegen, was er unter Nachhaltigkeit versteht. Wir kennen die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Für die TEAG sind besonders die relevant, die im Zusammenhang mit dem Geschäft der Energieversorgung stehen. Unser Hauptziel ist es, die Treibhausgasemissionen zu senken. Fernziel: Treibhausgasemissionen auf null.

Wichtig ist für uns auch der schonende Umgang mit der Ressource Energie, Stichwort Effizienz, und der ressourcenschonende Materialeinsatz – etwa bei der Errichtung und beim Betrieb von Infrastruktur, bei Strom- und Gasnetzen, bei Kraftwerken.

Und der Einsatz umweltfreundlicher Materialien gehört dazu. Das klingt jetzt trivial, ist es aber nicht. Wir haben im Stromsystem Transformatoren, Freileitungsmasten aus Holz, und da spielt es schon eine große Rolle, ob die am Boden als Schutz vor Fäulnis mit umweltschädlichen oder wasserverträglichen Lacken beschichtet sind. Wobei die umweltfreundlichen Materialien nicht immer so haltbar sind wie die umweltschädlichen.

Wie fördern Sie Nachhaltigkeit im Unternehmen?

Wir haben zum Beispiel ein Programm für unsere Mitarbeiter:innen, mit dem sie ein Elektroauto leasen und an allen Standorten kostenlos mit Grünstrom betanken können. Das sind genau die praktischen Dinge der Nachhaltigkeit, wo man einfach anfangen muss.

Wo konkret findet Nachhaltigkeit in der Ausbildung statt?

Unsere angehenden Netzmonteur:innen lernen zum Beispiel, wie unser Netz aufgebaut ist und wie es sich in den letzten Jahren verändert hat, um die erneuerbaren Energien zu integrieren. Das ist ein Prozess, der noch anhält und sich in Zukunft auch noch intensivieren wird. Mit unserer Tochtergesellschaft TEAG Solar errichten wir inzwischen deutschlandweit Photovoltaikanlagen mit Energiespeichern – auch solche Anlagen lernen unsere Auszubildenden zu montieren. Gerade im Bereich der Photovoltaik gibt es eine sehr starke Entwicklung der Technologie, die Anlagen werden auch immer besser und effizienter, das versuchen wir den jungen Leuten zeitnah durch die Aktualisierung des Lehrstoffes näherzubringen.

Auch die Gasnetze sind ein wichtiges Thema. Es gibt einen sehr starken Technologiewandel, um das Erdgas zu ersetzen – durch Bioerdgas oder Wasserstoff. Die Ausbildung ist schon um die Biomethan-Technologie erweitert worden, beim Wasserstoff, der treibhausgasneutral ist, wenn er aus grünem Strom gewonnen wird, stehen wir zumindest in der Ausbildung ehrlicher Weise am Anfang. Aber: In den nächsten Jahren wird der Wasserstoff das grüne Gas der Energiewende sein.

Interview: Katja Tamchina

Foto: Guido Werner

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